Hidden Places, Teil 4: Vom Flugplatz Johannisthal zum Aerodynamischen Park

Großer Windkanal im Aerodynamischen Park Adlershof

Auf einen Blick

Worum es geht

Hidden Places Teil 4 folgt der Spur vom ehemaligen Flugplatz Johannisthal über Landschaftspark und Segelflieger Quartier bis zu Windkanal und Trudelturm in Adlershof.

Rubrik

Freizeit, Kultur, Urbanes

Veröffentlicht

06.09.2026

Mit dem Rad

Für Radthemen lohnt der Blick auf Route, Abstellmöglichkeit und aktuelle Baustellen im Umfeld.

Hidden Places in Treptow-Köpenick · Teil 4

Vom Flugplatz Johannisthal zum Aerodynamischen Park

Auf dem früheren Flugfeld Johannisthal liegen mehr als hundert Jahre Stadtgeschichte dicht nebeneinander. Wo 1909 Motorflugzeuge starteten, breitet sich heute der Landschaftspark aus. Am Segelfliegerdamm wächst ein neues Wohnquartier, und wenige Kilometer weiter erinnern Windkanal, Trudelturm und Motorenprüfstand an die Anfänge der Luftfahrtforschung.

Diese Runde folgt keiner erhaltenen Startbahn. Sie folgt dem Wandel des Ortes: vom offenen Flugfeld über Forschung und Industrie bis zum Wissenschaftscampus und neuen Stadtviertel.

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Rote Flugzeugskulptur am ehemaligen Flugplatz Johannisthal

1909: Als Fliegen zum Ereignis wurde

Im September 1909 nahm der Motorflugplatz Johannisthal den Betrieb auf. Flugtage, Werkstätten und neue Flugzeugfirmen machten das Gelände schnell zu einem Zentrum der jungen Luftfahrt. Die Weite, die dafür nötig war, lässt sich heute noch im Landschaftspark erahnen.

Der Park bewahrt keine Startbahn als Museumsstück. Sein offenes Gelände macht aber den Maßstab des früheren Flugfeldes lesbar. Der geschützte innere Bereich bleibt der Natur vorbehalten; die Runde führt außen herum auf öffentlichen Wegen.

1912: Aus Flugversuchen wird Forschung

Im April 1912 wurde die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt gegründet. Ab 1913 untersuchten ihre Abteilungen Motoren, Flugzeuge und die Physik des Fliegens. Windkanäle und Prüfstände sollten zeigen, wie sich Flugzeuge und Motoren unter kontrollierten Bedingungen verhalten.

Damit verlagerte sich ein Teil der Geschichte vom Flugfeld nach Adlershof: Nicht nur das Fliegen selbst, sondern Messen, Vergleichen und Berechnen prägten nun den Ort.

Drei Bauten, drei Versuche

Im Aerodynamischen Park stehen technische Denkmale, deren Formen direkt aus ihrer Aufgabe entstanden. Sie sind von öffentlichen Wegen gut zu sehen; in die Innenräume gelangt man nur bei Führungen und ausgewählten Veranstaltungen.

Großer Windkanal

Der 1932 bis 1934 errichtete Stahlbetonbau ist 120 Meter lang. In seinem geschlossenen Luftkreislauf wurden Flugzeugteile Strömungen ausgesetzt, um Form und Oberfläche zu untersuchen.

Trudelwindkanal

Der 1934 bis 1936 gebaute Trudelturm erzeugte einen vertikalen Luftstrom. Modelle konnten darin den gefährlichen Flugzustand des Trudelns nachbilden, ohne ein echtes Flugzeug zu riskieren.

Motorenprüfstand

Im schallgedämpften Prüfstand von 1933 bis 1936 liefen Flugzeugmotoren. Die beiden hohen Türme halfen, den Lärm der Versuche zu mindern. Heute ist der Bau ein studentischer Treffpunkt.

Forschung mit Schatten

Die Versuchsbauten sind eindrucksvoll, aber sie stehen nicht außerhalb ihrer Zeit. In den 1930er Jahren wuchs die DVL stark; Luftfahrtforschung und nationalsozialistische Kriegswirtschaft waren eng miteinander verbunden. Technikbegeisterung allein erklärt diesen Ort deshalb nicht.

1945 endeten die Arbeiten der DVL in Adlershof. Viele Anlagen wurden demontiert. Ab 1950 zogen Institute der Akademie der Wissenschaften der DDR auf das Gelände, später folgte Forschung für das Interkosmos-Programm. Seit 1992 arbeitet das DLR wieder in Adlershof.

Vom Flugfeld zum Landschaftspark

Auf den zentralen Flächen des ehemaligen Flugfeldes entstand ab Ende der 1990er Jahre der Landschaftspark Johannisthal. Sein innerer, rund 26 Hektar großer Bereich ist Naturschutzgebiet. Die offenen Sandflächen und Wiesen bewahren damit nicht nur Weite, sondern auch empfindliche Lebensräume.

Für die Runde heißt das: auf den äußeren Wegen bleiben, Abkürzungen durch den geschützten Kern vermeiden und die Geschichte aus der Distanz lesen.

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Rundbau mit Schriftzug Segelfliegerquartier Berlin in Johannisthal

Vom Flugfeld zum Wohnviertel

Am Segelfliegerdamm ist die nächste Schicht dieser Geschichte bereits sichtbar. Auf dem früheren Gelände von Flugplatz und VEB Kühlautomat entsteht das Segelflieger Quartier. Nach dem Projektauftakt Ende August nennt degewo für ihren Bauabschnitt 546 Wohnungen, davon 440 öffentlich gefördert, eine Kita mit 40 Plätzen und eine Bezugsfertigkeit Anfang 2029. Für das Gesamtquartier werden weiterhin rund 1.800 Wohnungen, Gewerbeflächen, zwei Kitas und ein Stadtteilzentrum beschrieben. Neue öffentliche Wege sollen das lange unzugängliche Areal besser mit Landschaftspark, Straßenbahn und S-Bahnhof Johannisthal verbinden.

Der Name des Quartiers erinnert an den Flugplatz, doch die gebaute Geschichte ist damit nicht automatisch gesichert. Besonders an Halle 4 wird verhandelt, wie viel von den früheren Produktionshallen erhalten werden kann. Das Berliner Abgeordnetenhaus hat verlangt, Varianten zum Erhalt zu prüfen, und einer Lösung den Vorzug gegeben, die Proportionen und Kubatur möglichst bewahrt. Der weitere Planungsstand bleibt in Bewegung.

So zeigt die Route, wie derselbe Ort immer wieder eine neue Funktion bekam: Flugfeld, Fabrikgelände, Landschaftspark, Wissenschaftsstandort und nun Wohnquartier.

Die Runde selbst entdecken

Ein guter Startpunkt liegt am Segelfliegerquartier. Von dort führt die Runde außen am Landschaftspark entlang und weiter zum Aerodynamischen Park an Newton- und Kroneckerstraße. Mit dem Fahrrad lässt sich der Wechsel zwischen Flugfeld, Park, Campus und technischen Denkmalen besonders gut erfassen.

Baustellen und Wege können sich verändern. Prüfe die Route kurz vor dem Start und bleibe im Landschaftspark auf den freigegebenen Wegen.

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Denkmale von innen erleben

Am Sonntag, 13. September 2026, öffnet der Tag des offenen Denkmals zusätzliche Türen. Im Aerodynamischen Park sind Führungen zu Trudelwindkanal, Großem Windkanal und schallgedämpftem Motorenprüfstand angekündigt; die Ausstellung im Messgebäude des Großen Windkanals läuft nach aktuellem Programm von 10 bis 16 Uhr.

Programmänderungen sind möglich. Maßgeblich bleibt die Veranstaltungsquelle kurz vor dem Besuch.

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